Warum kostet Bergrettung Geld?

Aufgaben

Die Bergwacht Bayern ist eine traditionsreiche Organisation, die vor etwa 100 Jahren gegründet wurde, um den Rettungsdienst in den alpinen Einsatzbereichen und an unwegsamen Einsatzschwerpunkten in den bayerischen Alpen und Mittelgebirgen zu übernehmen.

Seither hat die Bergwacht Bayern eine Vielzahl von Entwicklungen und Anpassungsprozessen durchlaufen und sieht sich auch gegenwärtig einer Vielzahl neuer Herausforderungen gegenüber. Insbesondere das veränderte Freizeitverhalten der Bevölkerung und zunehmender Tourismus in den bayerischen Alpen und Mittelgebirgen bedeuten für die Bergwacht Bayern eine stärkere Belastung. Leistungsfähigere Seilbahnen, Flutlichtanlagen und Schneekanonen locken viele Erholungssuchende im Akkord auf Berggipfel, trendige Sportarten ziehen Menschen in einst menschenleere Landschaften und Mountainbikeparks sowie Halfpipes bedeuten neue Einsatzschwerpunkte. Hinzu kommt der wachsende Anteil älterer und mobiler Menschen mit mehr Freizeit. Die Folgen sind zunehmende Einsatzzahlen an Wochentagen. Auch macht sich der allgemeine Klimawandel bemerkbar, der gerade im bayerischen Alpenraum vermehrt niederschlagsbedingte Schadens-ereignisse verursacht.

All diesen Aufgaben stellt sich die Bergwacht Bayern mit großem Verantwortungsbewusstsein.

Die Bergwacht Bayern leistet jährlich etwa 12.000 Einsätze, die sich wie folgt zusammensetzen:

Die Bergwacht Bayern setzt sich aus etwa 3.200 ehrenamtlichen Einsatzkräften zusammen, die in 36 Einsatzleitgruppen organisiert sind. Neben Bergwacht-Einsatzleitern, -Notärzten, -Rettungsassistenten und -Rettungssanitätern verfügt sie für besondere Situationen über Spezialeinsatzkräfte. Sie helfen bei Unfällen in wasserführenden Schluchten, Höhlen, nach Lawinenabgängen, bei vermissten Personen im Gebirge und weglosen Gelände sowie in Krisensituationen im Rahmen einer der genannten Einsatzszenarien.
Finanzierung

Die Bergwacht Bayern betreibt auf der Grundlage des Bayerischen Rettungsdienstgesetzes die Berg- und Höhlenrettung im alpinem und unwegsamen Gelände. Der finanzielle Aufwand für die Durchführung des Rettunsdienstes in Bayern beläuft sich auf etwa 6,3 Millionen Euro. Diese Kosten ergeben sich aus

Jede Einsatzkraft leistet ihren Einsatz ehrenamtlich.

In Artikel 36 des Bayerischen Rettungsdienstgesetzes wird geregelt, dass die Durchführenden der Berg- und Höhlenrettung sowie der Wasserrettung für ihre Leistungen Benutzungsentgelte erheben müssen. Da der tatsächliche Aufwand für einen Bergrettungseinsatz nur bedingt erfasst werden kann, muss eine pauschale Berechnung erfolgen. Die je nach Einsatzart unterschiedlichen Pauschalen wurden gemeinsam mit den Krankenkassen vereinbart. Sie liegen deutlich unter den tatsächlich anfallenden Kosten.

Das für die Bergwacht Bayern entstehende Defizit von mehr als 2,4 Mio Euro, das nach Abrechnung mit den Kranken- kassen und einer finanziellen Unterstützung von Seiten der Bayerischen Staatsregierung übrig bleibt, wird durch Spenden und sonstige Unterstützungsleistungen selbst finanziert.
Notfalleinsätze Berg

Hierzu zählt die Rettung eines erkrankten oder verletzten Bergsportlers, der im Anschluss ärztlich behandelt werden muss. Auf Basis des Sozialgesetzbuches V werden diese Kosten je nach Aufwand durch die Krankenkassen mit definierten Pauschalen erstattet. Es fallen keine weitere Kosten seitens der Bergwacht Bayern an.
Sondereinsätze Berg

Bei diesen besonderen Einsätzen können die Krankenkassen keine Leistungen übernehmen. Die entsandenen Kosten müssen pauschal mit den Betroffenen oder Angehörigen verrechnet werden.

Sondereinsatz Berg 1 980,- € Lawineneinsatz, Vermisstensuche mit erhöhtem Aufwand...
Sondereinsatz Berg 2 490,- € Sachbergung, Tierbergung, Pilotenbergung unverletzt, Vermisstensuche geringer Aufwand
Sondereinsatz Berg 3 245,- €  

Ausnahme ist der Sondereinsatz Berg 1. Werden hier mehr als 50 Einsatzkraftstunden erforderlich, wird über die Pauschale hinaus jede weitere Einsatzkraftstunde mit 10 Euro angesetzt und bis zu einer täglichen Obergrenze von 2.500 Euro aufgerechnet. Der tatsächliche Aufwand kann nur bedingt erfasst und nachgewiesen werden. Die Pauschalen liegen in einem Großteil der Fälle deutlich unter dem tatsächlichen Aufwand